Winter - Ruegen in Bildern

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Rügen im Winter...
Das ist etwas ganz Besonderes. Eine rote Nase und eine erholte Lunge kann ich Ihnen bei kalter Polarluft auf jeden Fall garantieren. Weißer Schnee, dunkelblauer Himmel. Diese Farbspiele sind einmalig. Die Inselnatur hebt sich kontrastreich in den Vordergrund. Wenn die Ostsee noch nicht zugefroren ist und ihre Restwärme für eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit sorgt, dann verhüllt die eisfeuchte Luft die Natur in Eisestarre. Tiefhängende Zweige, ein Hauch von Melancolie und Stillstand liegt in der Luft.

Erinnerungen an den Katastrophenwinter 1978/79...
Die Winter der vergangenen zwei Jahre waren nach langer Verschnaufpause mal wieder abenteuerlich. Starke Schneeverwehungen haben dazu geführt, dass viele Orte und gerade die Insel Hiddensee von der Außenwelt abgeschnitten waren. Viele Einheimische fühlten sich in das Winterjahr 1978/79 zurückversetzt, als der "Katastrophenwinter" über den Norden hereinbrach. Doch zu vergleichen ist es damit nicht. Die damaligen Schneemassen kamen nie wieder. Aber dennoch traten die gleichen Verhältnisse ein. Warum? Das mag sich jeder fragen. Die Schneeberäumung übernahmen damals die NVA (Nationale Volksarmee) und die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). Es stand ein viel größeres Kontingent an Technik zur Verfügung. Das fehlt heute leider und das heutige THW und die Straßenwacht sind maßlos überfordert.
Ich selbst habe den Winter 1978/79 miterlebt und ich war gerade 8 Jahre jung geworden. Eine riesige schwarze Wand baute sich in der Sylvesternacht über der Ostsee auf und zog stündlich landeinwärts. Dann fing ein kräftiger Orkan an zu wüten. Wir waren froh, dass wir warm und trocken saßen. Niemand hatte uns vorhergewarnt. Im allabendlichen Wetterbericht sah alles normal und belanglos aus. Die "Aktuelle Kamera" belästigte uns eine halbe Stunde lang mit sozialistischen Politikunsinn, als dann der Sturm über uns hereinbrach, völlig unvorbereitet. Der Strom fiel über Nacht aus und die Zentralheizung strahlte morgens noch ein wenig Restwäre über die Heizkörper aus. Der erste Weg nach Draußen war ein Abenteuer. Die Haustür war komplett verweht. Meine ersten Ängste kamen auf... "Wo ist Flocki?" Flocki war mein treuer Begleiter, ein kleiner Dorfpinscher, von allem etwas, mehr kurz als lang und er wohnte draußen in seiner Hütte. Die war natürlich auch weg. Ein langer Tunnel führte endlich zu Flocki und er saß in seiner Hütte. Die Welt war wieder in Ordnung für mich. Flocki durfte von da an im Haus wohnen. Die Tage danach hab ich nicht mehr in Erinnerung. Im Januar 1979 kam der zweite Sturm mit viel Schnee und dann begann ein Existenzkampf. Alle ländlichen Dörfer waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten. In unserem Dorf Glowe gab es wenigstens noch einen Bäcker, Fleischer, Schweinestall und einen privaten Kuhstall mit 10 Kühen. An der Kaufhalle wurde täglich Mehl und Milchpulver vom Hubschrauber herabgelassen. Unser Fleischer durfte die Schweine vom staatlichen Schweinstall schlachten, da diese fast am Verhungern waren. Vom Kuhstall bekamen wir frische Milch. So war wenigstens für unser Dorf ein Überleben gesichert. Jede Nacht sind auf der Ostsee die Schwäne eingefroren und beherzte Einheimische haben die geschwächten Tiere morgens aus dem Eis gehackt. Das war das Mindeste, was sie tun konnten. Jeden Morgen früh um 6 Uhr ging die Dorfsirene. Alle kräftigen Männer zogen dann los, um auf der Landesstraße von Glowe nach Sagard die Verwehungen in und um Bobbin freizuschippen. Die Wehen waren höher als ein Bus. mein Schulgebäude war auch komplett vom Erdboden verschwunden.
Als Kind hatte ich natürlich eine völlig naive Sichtweise. Schulfrei und so viel Schnee... und man konnte mit dem Schlitten vom Dachfirst beginnend herunterfahren. Unser Einfamilienhaus war von der Nordseite gar nicht mehr zu erkennen. Ich habe meterlange Tunnel in die Schnehwehen gegraben. Erst heute ist mir bewusst, wie dramatisch das damals war. Vielen Lesern ist sicherlich auch die Reportage des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) "Der Katastrophenwinter" bekannt. Meine Mutter hat hier gesagt, dass wir zeitweise nur von Bier und Stollen gelebt hatten, denn meine Mutter hat für die Weihnachtstage auf Vorrat gekauft. Gott sei Dank, dass ich kein Bier trinken musste, aber an den Stollen kann ich mich gut erinnern, denn heute mag ich ihn nur sehr selten essen wollen. Am Tag nach dem ersten Sturm wollte ich unbedingt mit den Ski raus. Meine Mutter konnte mich nicht zurückhalten. Am Gartentor endete mein Vorhaben. Die letzten Sturmausläufer schnitten mir die Luft ab und die gefrorenen Schneekörner prasselten wie Pfeile auf mein Gesicht.

 
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